Geriatrie

Ergotherapie in der Geriatrie findet in unterschiedlichen Umgebungen statt (stationär, teilstationär, zu Hause) und wird eingesetzt, um die Folgen von Grunderkrankungen zu minimieren und die größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Was ist Geriatrie?

Die Geriatrie (Altersheilkunde) beschäftigt sich mit der Erkennung und Behandlung von Krankheiten des Alters. Sie ist eine interdisziplinäre medizinische Disziplin, d.h. unterschiedliche Berufsgruppen arbeiten eng zusammen, um einen größtmöglichen Behandlungserfolg zu erreichen. Das medizinische Team ist je nach Lebensalter, Krankheitszustand und sozialem Umfeld des Klienten unterschiedlich zusammengesetzt. So arbeiten z.B. Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, klinische Psychologen und Sozialarbeiter mit geriatrischen Klienten.

Der Geriatrie eng verbundene Fachbereiche sind die Gerontologie (Lehre von den Alterungsprozessen), die Gerontopsychiatrie (Lehre von den psychologischen und psychopathologischen Veränderungen im Alter) und die Palliativmedizin (Begleitung und Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzzuständen und Sterbenden).
In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle geriatrische Stationen, die sich auf die besonderen Bedürfnisse der geriatrischen Klienten einstellen. Es gibt aber auch viele Kliniken, die geriatrische Klienten auf regulären Stationen betreuen. Häufig haben geriatrische Klienten Primärerkrankungen aus den Bereichen Innere Medizin, Neurologie und Diabetologie. Diese Krankheiten stellen sich im Alter oft anders dar als bei Jüngeren, sodass eine altersgerechte Diagnostik und Behandlung erforderlich ist.

Oft liegen mehrere altersbedingte Erkrankungen gleichzeitig vor, dann spricht man von Multimorbidität. Bei den sogenannten Alterssyndromen treten viele unterschiedliche Symptome gleichzeitig auf und beeinflussen sich gegenseitig. Häufig sind dies Hirnleistungsstörungen, Abbau oder Verlust der Sinnesleistungen, körperliche Instabilität (z.B. durch Schwindel), Inkontinenz (Verlust der Blasen- und/oder Darmkontrolle) und Austrocknung.

Die ergotherapeutische Grundhaltung in der Geriatrie

Ergotherapeuten, die in der geriatrischen Akutversorgung arbeiten, haben eine andere Herangehensweise als Ergotherapeuten, die ältere Menschen mit chronischen Krankheiten behandeln. Die Berücksichtigung des sozialen Umfelds spielt in der Geriatrie eine wesentliche Rolle.

Alte Menschen befinden sich in der letzten Lebensphase. Sie sind einerseits mit dem nahenden Tod konfrontiert und andererseits mit fortschreitenden (progredienten) Abbauprozessen. Kommt dann noch eine akute Erkrankung hinzu, wie z.B. ein Schlaganfall, sind sie meist nachhaltig in ihrer Lebensführung und ihrem psychischen Erleben beeinträchtigt.

Ergotherapeuten, die im geriatrischen Bereich arbeiten, haben es also mit sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen und -stadien zu tun. Dies erfordert sowohl ein fundiertes medizinisches Wissen, als auch ein hohes Maß an Methodenkenntnis, sozialer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Interesse für die Lebenswirklichkeit der älteren Generation allgemein.

Geriatrische Krankheitsbilder und ihre Auswirkungen

Typische geriatrische Krankheitsbilder:
  • Neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel Schlaganfälle, Hirnblutungen, Morbus Parkinson (Schüttellähmung), Demenzen
  • Erkrankungen aus dem Bereich der Inneren Medizin, wie zum Beispiel Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes
  • Erkrankungen des Skelettsystems, wie zum Beispiel Rheuma, Arthrose, Spätfolgen nach Stürzen
  • Krebs
  • Psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Altersdepressionen, Neurosen, Psychosen
Oft sind die Krankheitsverläufe chronisch, eine vollständige Ausheilung ist häufig nicht möglich. Zusammen mit der generellen Degeneration (Abbauprozesse) im Alter erzeugt dies große Unsicherheiten sowohl auf der körperlichen als auch auf der psychischen Ebene. Ältere Menschen brauchen deshalb häufiger konkrete Hilfen, wie zum Beispiel engmaschige Betreuung oder individuell angepasste Hilfsmittel.

Aufgaben der Ergotherapie in der Geriatrie

Je nach Ausgangssituation des Klienten (Alter, medizinische Indikationen, Allgemeinzustand, soziales Umfeld) setzt die Ergotherapeutin – nach Möglichkeit zusammen mit dem Klienten – überprüfbare und konkrete Ziele. Daraus ergeben sich dann die ergotherapeutischen Aufgaben. Der eigentlichen Behandlung geht in der Regel eine ausführliche Diagnostik voraus. Mithilfe sogenannter Basis-Assessments kann der Ist-Zustand systematisch überprüft und festgehalten werden. An der Diagnostik sind verschiedene Berufsgruppen beteiligt, der gemeinsame Austausch ist entscheidend.
  • Erhebung des ergotherapeutischen Befunds
  • Planung und Strukturierung der Therapieinhalte
  • Versorgung mit Hilfsmitteln
  • Ermöglichung der größtmöglichen Selbstständigkeit und Teilhabe
  • Therapie der Grunderkrankungen
  • Kognitionstraining
  • Psychische Stabilisation
  • Förderung der Einbindung in das für den Klienten relevante soziale Umfeld
  • Strukturierung des Tages
  • Dokumentation des Therapieverlaufs
  • Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und Angehörigen

Ziele der Ergotherapie in der Geriatrie

Das oberste Ziel der Ergotherapie ist die größtmögliche Selbstständigkeit und Teilhabe am sozialen Leben. Daraus ergibt sich eine Minderung bzw. Verhinderung der Pflegebedürftigkeit, was bei einer älter werdenden Gesellschaft auch zur Kostenreduzierung im Gesundheitswesen beiträgt. Hier stehen die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL, Activities of daily living) im Vordergrund. Dies betrifft zuerst die Körperpflege und das Anziehen, aber auch Tätigkeiten im Haushalt, Fortbewegung und soziale Teilhabe, eben alles, was der Klient tagtäglich tut bzw. wieder tun möchte.

Individuelle Ziele sollten zusammen mit dem Klienten festgelegt werden. Ist der Klient selbst nicht mehr in der Lage sich zu äußern, sollte ein naher Angehöriger diese Aufgabe übernehmen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Zielsetzungen für den Klienten bedeutsam sind. Die Ziele sollten außerdem überprüfbar sein und mit einem Zeitraum verbunden werden, in dem sie erreicht sein sollten. Nur so kann festgestellt werden, ob die Therapie erfolgreich war oder ob die Ziele ggf. zu hoch gesteckt waren. Generell ist es günstig, sich eher kleine Ziele zu setzen. So werden Erfolgserlebnisse möglich und die Motivation kann gesteigert werden.

Ziele der Ergotherapie in der Geriatrie können zum Beispiel sein:

  • Selbstständige Durchführung der Körperpflege bzw. Teile der Körperpflege
  • Sturzprävention
  • Erhöhung der Mobilität durch funktionelle Therapie und/oder Hilfsmittelversorgung
  • Verbesserung der Wahrnehmung durch sensomotorisch-perzeptive Verfahren
  • Strukturierung des Tagesablaufs
  • Aktivierung
  • Sinnvolle Freizeitgestaltung

Inhalte der Ergotherapie in der Geriatrie

Um die größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen, nutzen Ergotherapeuten unterschiedliche Mittel und Methoden. Dafür werden unterschiedliche Aktivitäten, künstlerische und kreative Techniken, Spiele und Sportgeräte gewählt. Die Tätigkeiten sollen zielgerichtet eingesetzt werden und für den Klienten bedeutsam sein, damit sie zur Stabilisierung des Klienten beitragen und seine Weiterentwicklung fördern.

Auf einer geriatrischen Station kann die Therapie beispielsweise aus einem Rollstuhltraining bestehen, in dem die Klientin lernt, selbstständig mit dem Rollstuhl zu fahren und Hindernisse zu überwinden.

In einem Pflegeheim kann die Therapie darin bestehen, dem Bewohner die Orientierung im Heim zu ermöglichen. Dazu können z.B. Symbole an Türen und Fluren eingesetzt, Pläne zu Hilfe genommen oder Rituale geschaffen werden, die es dem Bewohner erleichtern, sich zu erinnern.

Im häuslichen Umfeld können die Inhalte z.B. darin bestehen, die Wohnung von Stolperfallen zu befreien und damit Stürzen vorzubeugen oder Tages- und Wochenpläne zu erstellen, um die aktive Teilhabe zu erleichtern.

Typische Therapieinhalte in der Geriatrie

  • Versorgung mit Hilfsmitteln
  • Training motorischer und kognitiver Funktionen
  • Beratung der Angehörigen und anderer Berufsgruppen
  • ADL-Training
  • Sinnvolle Freizeitgestaltung

Anschrift

Ergo Kamel
An den Tannen 14
24321 Hohwacht

Geschäftszeiten

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Telefax: 04381 - 9160064
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